Deutsch lernen ohne Wartezeit

Freiwillige gestalten Deutsch-Vorkurs für Flüchtlinge

    Sie kommen aus Bangladesh, Eritrea, Mazedonien oder anderen Ländern mit schwierigen Lebensbedingungen und haben oft eine abenteuerliche Flucht hinter sich. Jetzt sind sie in Deutschland, sind erst einmal in Sicherheit, haben eine Unterkunft und genug zu Essen. Aber wie geht es weiter? Asylverfahren ziehen sich meist über mehrere Monate hin, in denen die Asylbewerber nicht arbeiten dürfen und meistens auch noch keinen Integrations- oder Alphabetisierungskurs besuchen können. Auch in Oer-Erkenschwick leben ca. 70 Asylsuchende, die meisten von ihnen in einer Sammelunterkunft in der Lindenstraße.

   Viele möchten so schnell wie möglich Deutsch lernen, um dieses für sie fremde Land besser kennen und verstehen zu lernen. Dank einer gemeinsamen Initiative der Pfarrcaritas St. Josef und der evangelischen Kirchengemeinde Oer-Erkenschwick gibt es für diese Menschen jetzt ein Angebot: Ein Team von Freiwilligen gestaltet für sie dienstags vormittags im evangelischen Gemeindehaus einen Vorkurs Deutsch. Dies wurde möglich durch die Starthilfe einer Frau mit Erfahrung: Maria Gaida-Greger ist pensionierte Lehrerin und hat bereits in ihrer Heimatstadt Waltrop ein ähnliches Projekt aufgebaut.

   Dass beim ersten Kurstermin in Oer-Erkenschwick nur ein einziger Schüler erschien, beunruhigte sie nicht weiter. „Wenn es sich herumspricht, kommen sicher mehr Menschen“, meinte sie und behielt Recht: In der zweiten Woche waren bereits acht Lernwillige da. Maria Gaida-Greger hatte geeignete Bücher mit dem Titel „Erste Schritte plus“ besorgt, und so konnte es ohne lange Vorrede gleich losgehen. Die Helfer und Helferinnen schauten erst einmal zu, konnten aber schon bald den Schülern bei ihren Übungen helfen. „Für die Asylsuchenden ist ein solcher Vorkurs eine große Hilfe, da wir besser auf unterschiedliche Vorkenntnisse und Lerngeschwindigkeiten eingehen
können. Wenn die Schüler dann später einen Deutschkurs besuchen, verstehen sie von Anfang an mehr und können entsprechend davon profitieren“, sagt Maria Gaida-Greger. Sie hat inzwischen viele Flüchtlinge kennen gelernt und ist auch über den Sprachunterricht hinaus Ansprechpartnerin für sie. So wird sie zum Beispiel um Hilfe gebeten, wenn jemand ein amtliches Schreiben nicht versteht oder Unterstützung bei Behörden- oder Arztterminen benötigt.

   In Oer-Erkenschwick hat sie die Kursleitung inzwischen an das fünfköpfige Helferteam übergeben, das den Vorkurs nun – mit wechselnder Besetzung – weiterführt. Dabei sind eine (ehemalige) Lehrerin, eine Pastorin, eine Architektin, eine Försterin und ein Journalist. Demnächst sollen die Freiwilligen in einer Fortbildung Basisinformationen über Flüchtlingsrecht und soziale Hilfen für Flüchtlinge erhalten, damit sie bei Bedarf auch in diesen Bereichen Hilfestellung geben können.

Gabriele Noeke-Börth

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